E-Auto-Trends in der zweiten Jahreshälfte 2023: Neues aus der Welt der E-Mobilität

Kaum eine Branche verändert sich aktuell so schnell, wie die der grünen Mobilität: Das zeigt schon die Masse der Hersteller, die mittlerweile auf den Markt vorgedrungen ist und teilweise sogar alteingesessene Hersteller verdrängte. Im kommenden Herbst und Winter gibt es weitere neue Trends und Modelle.

Immer mehr Wettbewerb auf dem E-Auto-Markt

Mehrere Elektroautos an einer Ladestation

Die Tage, in denen den E-Auto-Markt hauptsächlich Tesla dominierte, nach denen erst einmal lange nichts kam, sind gezählt. Wie eine aktuelle Statistik zu den weltweit verkauften Elektroautos darlegt, wurde das Unternehmen von Elon Musk mittlerweile sogar vom chinesischen Konkurrenten BYD überholt – die im Vorjahr fast 50 % mehr Elektroautos absetzten. Die deutschen Hersteller VW und BMW belegen weit abgeschlagen den vierten und fünften Rang, Mercedes-Benz gelang es gerade einmal rund 1/8 der Absatzzahlen von BYD zu erreichen. Dazu kommt: Immer mehr verhältnismäßig kleine Hersteller, wie SAIC oder Geely, drängen ebenfalls auf den Markt.

Dieser dichtgedrängte Wettbewerb führt zu einem Innovationsschub – der wahrscheinlich auch im zweiten Halbjahr 2023 nicht abebben wird. Aber nicht jeder ist von einem langanhaltenden Boom überzeugt. Die Absatzzahlen werden, vor allem hierzulande, im zweiten Halbjahr 2023 höchstwahrscheinlich deutlich einbrechen. Einerseits durch den Wegfall der staatlichen Subventionen und Plugin-in-Hybride, andererseits auch durch die im Euroraum nach wie vor hohe Inflationsrate, die die Konsumentenstimmung drückt. Laut dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) nahmen die Zulassungszahlen von batteriebetriebenen Fahrzeugen im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 31,7 Prozent zu. Da ab September keine staatliche Umweltprämie für Flottenwagen mehr gezahlt wird, gehen Experten aber von einem Wachstumseinbruch auf nur noch rund 2 % in der zweiten Jahreshälfte aus.

Neue Modelle drängen auf den Markt

Nahaufnahme einer goldenen Polestar-Bremse

In Fernost und Nordamerika ist weiterhin von starkem Wachstum auszugehen. Auch in Deutschland kann sich der Neukauf von einem Elektroauto in Anbetracht der zahlreichen E-Auto Trends lohnen. Die Ladeinfrastruktur wird weiterhin zügig ausgebaut, auch die Reichweiten der BEVs erhöhten sich über die letzten fünf Jahre deutlich. Das frühere Manko von E-Autos, sie wären für keine Langstrecken oder Pendler geeignet, verflüchtigt sich damit zusehends. Intelligente Navigationssysteme, die den E-Mobilität-Trend aufgreifen, sollen Sicherheit auf längeren Strecken versprechen. Die Navigationssysteme sind in der Lage die Restlaufzeit der zuvor geladenen Batterie zu ermitteln, sie mit dem aktuellen Fahrverhalten (und der Geschwindigkeit) abzugleichen und können die Route anschließend so planen, dass unterwegs ausreichend Lademöglichkeiten vorhanden sind, um sicher und ohne große Unterbrechung zum Ziel zu kommen.

Dass die Reichweite mittlerweile kaum noch ein limitierender Faktor ist, zeigen auch zwei neue Fahrzeugmodelle, die im zweiten Halbjahr erscheinen werden: Polestar 3 und 4 sind jeweils ein E-SUV beziehungsweise E-SUV-Coupé und bringen, vor allem beim Polestar 3, beachtliche Reichweiten von mehr als 600 Kilometer ab. Mit einem Preisschild von rund 90.000 Euro wird der Polestar 3 aber wohl nur für Menschen in Frage kommen, die entweder eine entsprechende Finanzierung erhalten oder schon das nötige Kleingeld haben. An beiden Polestar-Modellen zeigt sich außerdem ein weiterer Trend: Die E-Auto-Branche will noch nachhaltiger werden – und das nicht nur mit Hinblick auf den Antrieb. Beide Polestar-Fahrzeuge nutzen recycelte Materialien, zum Beispiel bei den Sitzbezügen, Türverkleidungen und Teppichen. Der Hang hin zur Wiederverwendung von Gebrauchsmaterialien, wird sich in den kommenden Monaten und Jahren mit großer Sicherheit durch die gesamte Branche ziehen.

Dass E-Autos heutzutage nicht mehr nur sportlich oder kompakt sind, zeigt auch der im Herbst erscheinende Kia EV9 – ein weiterer Elektro-SUV. Erneuerbare Energien nicht nur an der Ladesäule zu nutzen, sondern die Nachhaltigkeit generell zu erhöhen, gibt den Ton ebenso wie beim Polestar vor. An den Windschutzscheiben wurden Solarmodule eingebaut, die während der Fahrt etwas zusätzliche Energie liefern können – oder einfach dann, wenn das Fahrzeug in der Sonne steht. Den Herstellern wird zusehends bewusst, dass von Recycling bis hin zu fortlaufender Energieerzeugung (wie über die Solarpanels an den Windschutzscheiben) die Umweltbilanz der eigenen Fahrzeuge nach wie vor Luft nach oben hat – grüne Mobilität endet eben nicht an der Ladesäule.

Hersteller zeigen sich mit ihren Leasing-Angeboten flexibler

Dashboard eines E-Autos

Mercedes hat es mit dem eigenen Premium-Leasing-Angebot vorgemacht, andere Hersteller ziehen Schritt für Schritt nach: Mehr Flexibilität beim Leasing soll Kunden, die aktuell noch einen Verbrenner fahren, behutsam an die neue Welt der E-Mobilität heranführen. Beim Premium-Leasing von Mercedes sind deshalb sogar regelmäßige Fahrzeugwechsel sowie Angebote für neue E-Autos des Herstellers vorgesehen. So möchten Hersteller, die aufgrund der Wirtschaftlichkeit und im Kampf um Marktanteile selbst am E-Mobilität-Umstieg großes Interesse haben, die Eintrittsschwelle in den Markt reduzieren.

Übrigens: Viele Hersteller begreifen den Umstieg auf E-Mobilität auch als Chance, älteren Modellen neues Leben einzuhauchen. Der Renault 5, der planmäßig gegen Ende des Jahres zumindest vorgestellt werden soll, verdeutlicht das. In den 70er-Jahren war der originale R5 ein Kultwagen, nun soll er als E-Auto neu aufgelegt werden. Auch Renault nutzt für einzelne Teile des Fahrzeugs recycelte Materialien. Bei einer Präsentation zum Ende des Jahres würde der Renault 5 wohl zu Beginn des nächsten Jahres in die Serienproduktion gehen.

Bidirektionales und intelligentes Laden wird ausgebaut

Wallbox

Bisher lediglich Teil von Pilotprojekten, die auch im kommenden Halbjahr ausgebaut werden, sind intelligente und bidirektionale Ladeprozesse. Dabei sollen E-Autos mit den jeweiligen Ladesäulen kommunizieren und ihre Energiemenge dem tatsächlichen Bedarf anpassen, um Stromnetze nicht zu überlasten. Dieser Trend fokussiert sich nicht ausschließlich auf das kommende Halbjahr, sondern wird auch in den nächsten Jahren fortlaufend an Bedeutung gewinnen. Damit lassen sich, mit mehr und mehr E-Autos auf den Straßen, unerwünschte Stromspitzen verhindern. Wird gerade viel regenerative Energie durch Solar und Wind geliefert, können die Fahrzeuge hingegen das volle Ladepensum nutzen und damit effektiv als mobiler Stromspeicher dienen. Der überschüssige Strom aus den Stoßzeiten von regenerativen Energien, die sich von Natur aus schlecht planen lassen, müsste damit nicht mehr ins Ausland verschenkt oder verkauft werden.

Komfort- und Assistenzsysteme werden weiterentwickelt

Aufgrund des komplexen Zulassungsprozesses hängen Fahrassistenzsysteme in Deutschland nach wie vor etwas hinterher, was sich vor allem beim Tesla zeigt, dessen Fahrassistenz in den USA schon einige Generationen gegenüber deutschen Modellen voraus ist. Sowohl im kommenden Halbjahr als auch generell werden Fahrassistenzsysteme und Komfortfunktionen kontinuierlich weiterentwickelt werden. Die fahrzeugeigene Software auf dem neuesten Stand zu halten, sei in Anbetracht dessen unbedingt angeraten.

Fazit: Durch Wettbewerb kommt Innovation – wie die E-Auto-Branche zeigt

Tesla hat seinen globalen Platzhirsch-Titel schon verloren, die deutschen Autobauer verlieren, allen voran VW, zusehends Marktanteile: Geschuldet ist das dem starken Wettbewerb in der Branche, der Autofahrer aber zu Gute kommt. Durch den dichten Konkurrenzkampf um Marktanteile sind alle E-Autobauer bemüht, Innovationen und neue Systeme möglichst zeitnah auf die Straße zu bringen. Deshalb wird es im nächsten Halbjahr und den nächsten Jahren an neuen und weiterentwickelten Trends höchstwahrscheinlich nicht mangeln.