Coole Socke!

Nur Muhammed Ali war größer – BMW R18, ein klassischer Boxer

Das dem Design angelehnte Vorbild ist die BMW-Boxergeneration der ausgehenden 50er und beginnenden 60er-Jahre. Schnörkellos, robust, unverwechselbar – genau so wie die Musik und Idole unserer Jugend. Auch Muhammed Ali war damals noch ein junges Muskelpaket. Kraft und Sehnsucht jugendlicher Träume entfaltet das neu konzipierte Boxerkraftpaket mit 1800 Kubikzentimeter. Wow!

Retrochic in neuen Gewändern

Ein Blick auf das Motorrad und Erinnerungen an die erste große Jugendliebe kommt hoch. Zwei Töpfe – riesengroß – dazu viel Chrom und an allen markanten Stellen das BMW-Logo. Derartige Skulpturen habe ich allenfalls aus dem Kunstunterricht – insbesondere der damit verbundenen Klassenfahrt nach Florenz – in Erinnerung. Erwartungsvoll schleiche ich um das Bike, mustere es von allen Seiten, bewundere die klassischen Formen und kann der Begierde nicht länger standhalten. Ich nehme es vom Seitenständer, ein vorbeischweifender Blick über die mächtigen Auspuffrohre blendet mich kurz – und schon sitze ich im Sattel. Mit einem dumpfen Klack signalisiert mir der Ständer, dass von ihm keine Gefahr für die bevorstehende Fahrt ausgeht. Ich starte den Motor. Modernste Technik im alten Gewand rüttelt mich ein wenig durch. Der Sound: Ein ruhiges sonores Brummen. Ähnlich eines schlafenden Rottweilers. Ich lege den ersten Gang ein. Das Getriebe bestätigt mir es mit einem dumpfen Klack. Dann geht es hinaus zur Torausfahrt und ab in die Freiheit.

Motorrad auf Alpenstraße

Der Rottweiler erwacht

Nur wenige Straßen und ich genieße die Freiheit oberbayerischer Landstraßen. Bereits im unteren Drehzahlbereich zeigt mir der Rottweiler seine schier unglaubliche Kraft. Ab 2000 Umdrehungen liefert das Kraftpaket 150 Nm. Beeindruckend! Das Handling in Kurven ist komfortabel. Tiefliegender Schwerpunkt verleiht dem Cruisen Genuss. Wind umwirbelt mich, jugendliche Emotionen kommen hoch – fast als wäre es das erste Mal. Damals, als Begeisterung und Emotion noch himalayahoch und marianengrabentief waren. Einer Zeit, als die Emotion nicht durch realitätsbezogene Vernunft infiziert war. Mit einem Dreh am Gasgriff entledige ich mich dieser. Es macht Spaß! Ich erinnere mich, auf dem Hof habe ich das Cockpit studiert. Es gibt verschiedene Fahrmodi, den Rottweiler enger an die Leine nehmen, mit ihm Gassi gehen – oder: ihn von der Leine lassen. Ok, das probiere ich aus. Hinter Rosenheim ab auf die Inntalautobahn Richtung Kufstein. Wenig Verkehr lässt es zu, das Bike auszukosten. Eine Rechtskurve, eine Einfädelspur und ich lasse den Rottweiler von der Leine. Nun hängt das Motorrad am Gas wie der Heroinsüchtige an der Nadel. Unglaublich, wie ich nach vorne katapultiert werde. Etwas Unvernunft kocht hoch – Jugend, ich komme!

Die verschiedenen Wahlmodi

Ganz wichtig zu wissen, diese Einstellungen sind sehr nützlich. Insbesondere der, den Rottweiler enger an die Leine zu nehmen. Offiziell heißt dieser Modus „Rain“. Er ist bei Regen der Retter. Auf regennasser Fahrbahn aus der Kurve rausbeschleunigen, da kann die ungezähmte Kraft Unheil anrichten. Niemand möchte, dass 450 kg Leergewicht außer Kontrolle geraten. Sicherheit geht trotz jugendlicher Allüren vor. Es wäre geradezu schade ums Motorrad!

Leichtigkeit am Berg

Elegant und leicht schlängelt sich das Bike auch engere Bergstraßen hoch. Fast egal in welchem Gang oder Modi gefahren wird, es ist immer genügend Kraft da. 150 Nm in einem Drehzahlbereich zwischen 2000 bis 4000 Umdrehungen sind eben eine Ansage. Am Ende der Bergstraße genieße ich den Blick hinunter ins Inntal, wo sich der grüne Fluss durchschlängelt. Zu meiner Linken das Kaisergebirge. Jetzt geht es bergab. Der Motor leistet auch hier wertvollen Dienst. Gerade auf steilen Bergstraßen ist seine Bremskraft unersetzlich. Das habe ich bereits als Jugendlicher auf dem Moped gelernt. Am selben Berg. Die Wiesen meiner Jugend grüßen mich.

Heimwärts

An Rosenheim vorbei fliege ich in Leichtigkeit über den Asphalt. Ich wähle den Weg über Maxlrain. Der Anblick der Schlosswirtschaft lässt den Wunsch nach kühlem hellen Bier aufkeimen. Aber heute nicht. Never! Der Einzige, der heute trinkt, ist der Rottweiler unter mir. Genügsame 11–12 Halbe genehmigt er sich auf 100 Kilometer. Ihm dürstet nach Super bleifrei, ROZ 95. Ein maximal 15-prozentiger Anteil an Ethanol macht das Motorrad auch für die Zukunft und ausländische Märkte, insbesondere die USA, fit. Zurück im Hof und noch im Rausch der Sinne des mich umgebenden Fahrtwindes kommt meine Freundin ums Eck. Nie zuvor sah ich sie derart anmutend, jugendlich und schön. Im Rauch der Sinne stelle ich das Motorrad ab.

Ich für meinen Teil verabschiede mich und sage: „Bye bye!“