Das Entschleunigungs-Virus oder warum Corona auch seine guten Seiten hat

Immer weiter immer schneller, das war bis vor ein paar Tagen noch das Credo der Welt.

Dabei sind wir doch eigentlich schon lange an unsere Grenzen gestoßen. Ich bin sicher kein Verschwörungstheoretiker, aber dass das alles nicht mehr gesund ist, haben die meisten von uns doch schon lange instinktiv gespürt. Seit einiger Zeit zwingt das neue Coronavirus die Welt in einen Ausnahmezustand, den sich keiner vorher hätte vorstellen können.

Und ja, sicher, es wird für viele von uns eine sehr harte Zeit werden, es werden viele Menschen daran sterben, Existenzen werden zerbrechen und Familien werden auseinander gerissen! Allerdings, und da bin ich mir sicher, werden wir die Krise überstehen und in einiger Zeit wird alles vergessen sein und die Welt wird vermutlich zum „business as usual“ zurückkehren.

Vielleicht aber haben wir Glück und wir erkennen in den nächsten Wochen und Monaten wieder einmal, wie verwundbar und wie anfällig unsere Systeme sind und wie wenig wir doch eigentlich brauchen. Nein, wir müssen nicht täglich eine halbe Sau vertilgen und nein, wir müssen nicht 3x im Jahr an einen fernen Ort fliegen und zum „mid autumn Sale“ das fünfzigste Paar Jeans kaufen.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, auch ich kleide mich gerne schön, fahre gerne in fremde Länder und esse gerne ein schönes Stück Fleisch. Aber muss man wirklich Tiere durch die halbe Welt karren, kann es sein, dass ein ganzes Huhn im Discounter nicht mal 3 EUR kostet (was erlauben wir uns eigentlich und was ist uns ein Leben wert??) und müssen ganze Landstriche für unseren Konsum vergiftet werden etc. etc.?

Dieses Virus wird uns zeigen, dass es auch anders geht.

Ich komme aus einer Zeit in der man, einmal außer Haus, noch 20 Pfennige in einen Münzfernsprecher geworfen hat, um mit einer anderen Person zu telefonieren. Wenn man Glück hatte, dann hat man auch eine freie Telefonzelle erwischt. Ansonsten musste man eben warten, bis die, die vor dir waren, fertig waren.

Einmal etwas ausgemacht blieb es auch dabei. Wenn man einen Brief, sei es geschäftlich oder privat, geschrieben hat, dann musste man den zum Briefkasten tragen und es dauerte in der Regel ein paar Tage bis die Antwort kam.

Ich hatte gefühlt ewig Zeit und es ging mir finanziell wesentlich besser als heute.

Heute wird jede Verabredung fünfzigmal nachbesprochen, wir bewegen einen Finger und unsere Gedanken die wir gerade in unseren PC gehackt haben sind binnen Sekunden am anderen Ende der Welt, natürlich in der Erwartung, dass das Statement dazu innerhalb von spätestens 10 Minuten wieder zurückkommt usw. usw.

Merken Sie was, es wird einem schon beim Lesen schwindelig!

Nochmal, ich finde unsere Welt, unsere Errungenschaften und unsere Technik wundervoll, aber ich denke, es kann nicht so weiter gehen.

Letztens habe ich einen Bericht über einen Südtiroler Bio-Bauern gesehen, der seine Kühe auf die Weide getrieben hat und sich den halben Tag daneben gesetzt hat, um sie zu beobachten. Ich musste Ihn sehr beneiden, er schien vollkommen eins mit sich und seinem Leben, seinen Tieren zu sein. Ganz davon abgesehen schien es, als ob es Ihm finanziell auch sehr gut mit dem, was er da macht geht!

Versuchen Sie in den nächsten Tagen und Wochen sich nicht von der Panik und Hysterie anstecken zu lassen und fühlen Sie in sich hinein. Ist es nicht schön, nicht jeden Tag getrieben zu sein, brauche ich das alles wirklich und laufe ich nicht ständig nur vor mir selbst davon? Spüren Sie die Stille, und genießen Sie die Ruhe

Insofern hoffe ich, dass es uns doch gelingt die Krise ein kleines bisschen positiv zu sehen und dass sie die Welt danach vielleicht ein kleines bisschen entspannter macht.

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