{"id":843,"date":"2017-02-22T14:48:30","date_gmt":"2017-02-22T12:48:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.topblogs.de\/magazin\/?p=843"},"modified":"2017-04-20T10:45:47","modified_gmt":"2017-04-20T08:45:47","slug":"fifty-shades-of-grey-ist-das-wirklich-bdsm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.topblogs.de\/magazin\/fifty-shades-of-grey-ist-das-wirklich-bdsm\/","title":{"rendered":"Fifty Shades of Grey: Ist das wirklich BDSM?"},"content":{"rendered":"<p>Der Hype um Anastasia Steele und Christian Grey geht in die zweite Runde. Und die Wendung, die sowohl das Buch als auch der Film nehmen, l\u00e4sst die Kritik aus der wahren BDSM-Szene nur lauter werden. Denn die hat schon gleich beim Erscheinen des ersten Romans darauf hingewiesen, dass das, was da beschrieben wird, nur Klischees bedient und dem Kern dessen, worum es vielen bei BDSM geht, nicht trifft. Daher hier ein kleiner Fakten-Check: Was ist eigentlich BDSM und wie viel davon steckt in den &#8222;Fifty Shades&#8230;&#8220;-B\u00fcchern und -Filmen?<\/p>\n<p>BDSM steht f\u00fcr die vielen Spielarten, die es innerhalb dieser Szene gibt. Bondage und Discipline (Fesseln und Disziplin), Dominance und Submission (Dominanz und Unterwerfung) sowie Sadism und Masochism (Sadismus und Masochismus) sind die Begriffe, die in dem K\u00fcrzel stecken. Im Gegensatz zur herk\u00f6mmlichen, meist romantischen Vorstellung von Sex spielen bei BDSM Machtphantasien, Bestrafung, Unterw\u00fcrfigkeit und Schmerzen eine bzw. die entscheidende Rolle. Dabei versteht sich BDSM nicht ausschlie\u00dflich als Sexpraktik, sondern als eine Vorliebe, die sich durch viele Lebensbereiche ziehen kann. Wichtig ist den BDSMlern dabei jedoch, dass diese Haltung sich in der Regel in Form von &#8222;Spielen&#8220; ausdr\u00fcckt, die zwar Alltagssituationen beeinflussen k\u00f6nnen, aber doch abgegrenzt vom &#8222;normalen Leben&#8220; stattfinden. Einigen Paaren reicht dies allerdings nicht. Sie f\u00fchren dann eine so genannte 24\/7 BDSM-Beziehung, ein Partnerschaftskonzept, in dem der devote\/masochistische Partner sich vollst\u00e4ndig und ohne Einschr\u00e4nkung dem dominanten\/sadistischen Part, ohne physische, psychische, zeitliche und\/oder r\u00e4umliche Einschr\u00e4nkungen unterwirft.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-846\" src=\"https:\/\/www.topblogs.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/lady.png\" alt=\"Frau mit Peitsche\" width=\"300\" height=\"402\" srcset=\"https:\/\/www.topblogs.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/lady.png 300w, https:\/\/www.topblogs.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/lady-224x300.png 224w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Besagte &#8222;Spiele&#8220;, in denen bestimmte Neigungen ausgelebt werden, folgen festgelegten Regeln. Das muss auch so sein, denn viele BDSMler bewegen sich in Grenzbereichen, sowohl k\u00f6rperlich als auch psychisch. Da werden Hiebe ausgeteilt, es wird gestreckt und gezogen, Hitze und K\u00e4lte werden eingesetzt, also bewusst Schmerzen erzeugt. Das h\u00e4lt nicht jeder im gleichen Ma\u00dfe aus und auch nicht jeder, der Schmerzen &#8222;mag&#8220;, mag jede Form von Schmerz. Genauso sieht es mit den Machtspielen aus, denn auch wer auf Erniedrigung steht, hat seine Grenzen, die nicht mehr als Spiel betrachtet werden k\u00f6nnen, sondern die Person in ihrem Wesen treffen. Deshalb ist es im BDSM wichtig, dass die &#8222;Spiele&#8220; besprochen werden, Regeln gesetzt werden und sogenannte Stop-W\u00f6rter vereinbart werden, die man nutzen kann, wenn es einem zuviel wird. Weil wir gerade bei den Regeln sind&#8230; Ein Wort noch zu dem Vertragswerk, dass Grey im ersten Teil aufsetzt und das dort eine zentrale Rolle in der Handlung spielt: Das ist nice to have, aber das kann man auch getrost vergessen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend so einiges von dem, was soeben umschrieben wurde, auch in &#8222;Fifty Shades of Grey&#8220; auftaucht, so gibt es doch Aspekte, die viele f\u00fcr untypisch f\u00fcr BDSM halten und dar\u00fcber hinaus auch f\u00fcr geradezu ungesund oder gar krankhaft. Da w\u00e4re zun\u00e4chst einmal das tats\u00e4chliche Machtgef\u00e4lle zwischen Anastasia und Christian, das sich in mehrerer Hinsicht manifestiert. Hier der reiche, erfahrene Mann in seinen besten Jahren, dort die blutjunge, arme und in amour\u00f6sen Dingen v\u00f6llig jungfr\u00e4uliche Studentin. Diese Konstellation schafft weit \u00fcber sexuelle Vorlieben hinaus eine Abh\u00e4ngigkeit, die sich im wirklichen Leben fatal auswirken k\u00f6nnte. Doch was noch schwerer wiegt, sind die Andeutungen, dass Christians Neigungen tats\u00e4chlich durch eine psychische St\u00f6rung begr\u00fcndet sein k\u00f6nnten. Seine Kindheit und Jugend waren von Verlust und Mi\u00dfbrauch gekennzeichnet, Erfahrungen, die er nun in seinen (Sex-)Beziehungen zu kompensieren scheint. Statistiken besagen allerdings, dass der Anteil an Menschen mit psychischen Auff\u00e4lligkeiten unter BDSMlern nicht h\u00f6her ist als unter Menschen, denen diese Sex- und Lebensform nichts gibt. Die BDSM-Szene sieht sich daher durch &#8222;Fifty Shades of Grey&#8220; in ein falsches Licht gestellt.<\/p>\n<p>Und so gibt auch der im zweiten Teil von Buch und Film bereits angedeutete Verlauf der Geschichte einen Hinweis darauf, dass es sich bei &#8222;Fifty Shades&#8230;&#8220; wohl eher um eine klassische Liebes-Schmonzette handelt, denn um die Darstellung einer BDSM-Beziehung zwischen m\u00fcndigen Partnern. Anastasia lebt mit Christian nicht prim\u00e4r ihre sexuellen Gel\u00fcste aus, sondern sie ist auf der Suche nach der gro\u00dfen Liebe, die sich auch sexuell den g\u00e4ngigen Erwartungen anpassen soll. Sie will eben keine Spielchen mehr, sie will die romantische Beziehung mit dem dazu anscheinend passenden Kuschelsex.<\/p>\n<p>Wer also glaubt mit &#8222;Fifty Shades of Grey&#8220; ein Einf\u00fchrungswerk in die BDSM-Szene gelesen oder gesehen zu haben, sei hier eines Besseren belehrt. Zwar sind einige Szenen und Handlungen, vor allem die im Spielzimmer von Christian, welches sicher jedem SM-Liebhaber das Herz h\u00f6her schlagen l\u00e4sst, durchaus realit\u00e4tsnahe, die ganze F\u00fclle des BDSM wird hier allerdings nicht ann\u00e4hernd aufgezeigt. Aber wahrscheinlich zieht die Geschichte um Anastasia und Christian gerade daraus ihre Popularit\u00e4t, n\u00e4mlich dass es sich hier nicht vornehmlich um BDSM dreht \u2013 der je nach Statistik, die man heranzieht, lediglich ein bis drei Prozent der Bev\u00f6lkerung anspricht \u2013 sondern um eine kitschige, durch vermeintlich anr\u00fcchigen Sex aufgepeppte Story, in der alles auf das Happy End mit gl\u00fccklich liebenden Menschen hinausl\u00e4uft.<\/p>\n<p align=\"left\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/de_DE\/all.js#xfbml=1\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Hype um Anastasia Steele und Christian Grey geht in die zweite Runde. 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